Das Drama-Dreieck – Teil 1

Entdecken Sie die 3 Rollen im Drama-Dreieck

Möchten Sie verstehen, warum Sie sich nach einer Interaktion mit jemandem oder sogar in Ihrer Beziehung manchmal enttäuscht, wütend, traurig oder schuldig fühlen?

Das gleiche passiert meinen Kunden immer wieder mit ihren Kindern, ihrer Frau oder ihrem Ehemann, ihren Eltern, Mitarbeitern oder ihrem Chef, Schülern, Freunden oder ihrer Schwiegermutter.
Durch Wiederholen derselben Verhaltensweisen erhalten sie dieselben negativen Ergebnisse. Am Ende fühlen sie sich unwohl, entmutigt oder machtlos.

Ist es Ihnen auch schon mal passiert?

In diesem Blog-Beitrag über das Drama-Dreieck erkläre ich diese Beziehungsdynamik, damit Sie dieses schädliche Muster durchbrechen können. Dann werden Sie in der Lage sein, besser zu kommunizieren und bewusster zu handeln oder … um Hilfe zu bitten.

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IM 1. TEIL
  • Einführung
  • Das Drama-Dreieck
  • Die drei Rollen

EINFÜHRUNG

Beginnen wir mit diesem Beispiel eines banalen Gesprächs zwischen Victoria, die auf eine Party gehen möchte, und Sophie.

– Ich möchte zur Geburtstagsfeier meiner Freundin gehen. Sie hat mich ins Restaurant eingeladen und danach zum Tanzen, aber ich habe niemanden, der auf die Kinder aufpasst.
 – Und dein Ehemann?
– Ja, ich habe schon darüber nachgedacht, aber mein Mann arbeitet bis spät in die Nacht und ich weiß nie, wann er zurückkommt. Ich kann mich nicht auf ihn verlassen.
– Nun, du könntest deine Mutter bitten, mit den Kindern zu bleiben, bis dein Mann zurückkommt.
– Ja, aber meine Mutter geht abends nicht gerne aus. Sie bleibt lieber zu Hause und sieht fern.
– Und wie wäre es mit einer Babysitter?
– Weißt du, wie teuer Babysitter sind ?! Ich kann es mir nicht leisten. Außerdem vertraue ich diesen Mädchen nicht. Was für eine verrückte Idee! Du bist mir nicht wirklich hilfreich …

Beide Frauen sind genervt von der Wende der Ereignisse und verärgert:
– eine, weil sie versucht zu helfen, aber anscheinend keine geeignete Lösung anbietet
– die andere, weil sie die Vorschläge ablehnt, die Hilfe nicht schätzt und sogar böse wird.

DAS DRAMA-DREIECK

Kommt es Ihnen irgendwie bekannt vor?

Diese Art von Gespräch folgt immer dem gleichen Muster… obwohl die Intensität und Ernsthaftigkeit variieren können.
Das magische Werkzeug, um dieses Muster zu verstehen, heißt das Drama-Dreieck. Stephen Karpman schuf das Modell 1968 im Rahmen der Transaktionsanalyse. Dank dieses Modells können wir deutlich analysieren, was in den Beziehungen passiert, da das Drama-Dreieck die automatische und gestörte Interaktion zwischen zwei (oder mehreren) Personen veranschaulicht.

In einer Beziehung innerhalb des Drama-Dreiecks gibt es zwei Hauptfiguren (männlich oder weiblich), die von einer Rolle zur anderen wechseln:

  • Der Retter
  • Der Verfolger
  • Das Opfer.
Zu Beginn verkörpert jede Person eine der drei zusammenpassenden Rollen: Retter, Verfolger oder Opfer. Am Ende der Interaktion endet jede Person in einer anderen Rolle und dann beginnt das Drama.

Was beinhalten diese Rollen?

DIE DREI ROLLEN IM DRAMA-DREIECK

  • DER RETTER

Sauveur

Retter beteiligen sich am Leben anderer Menschen und warten eifrig auf Anerkennung und Zustimmung. Indem sie Mutmaßungen über die Bedürfnisse anderer Menschen anstellen, springen sie ein, um zu helfen, bevor sie jemand irgendetwas gefordert hat. Dadurch verpflichten sie zu Dankbarkeit. Sie glauben, dass andere Leute sie brauchen und drängen ihre Lösung auf. Auf diese Weise verhindern sie, dass andere ihre Probleme selbst lösen. Gleichzeitig zeigen sie ihre moralische Überlegenheit.

Da sich Retter für das Glücklichsein und das Wohlbefinden ihrer Mitmenschen verantwortlich fühlen, bemühen sie sich, sie sofort zu trösten, zu beruhigen oder zu besänftigen, damit diese Menschen ihre „negativen“ Gefühle wie Schmerz, Wut, Enttäuschung oder Traurigkeit nicht spüren. Retter wollen auch zu allen gute Beziehungen haben, da sie Harmonie bevorzugen. Deshalb vermeiden sie um jeden Preis Konflikte oder sich zu behaupten, auch wenn sie am Ende ihre Zeit, ihr Geld oder ihre Energie verschwenden. Sie neigen dazu, es allen recht machen zu wollen, um Kritik und Ablehnung zu vermeiden. Schließlich streben sie danach, sich von allen akzeptiert und geliebt zu fühlen.

Aus all diesen Gründen sind sie von ihren eigenen Emotionen getrennt. Daher ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, emotionale Intimität in einer Beziehung mit ihnen herzustellen. Sie fliehen ins “Tun”, sie sind immer beschäftigt … der Beweis dafür ist ihr Terminkalender: Sie haben keine Minute frei.

Trotz ihrer guter Absichten brauchen sie Opfer, um Retter zu sein. Infolgedessen fördert ihr Verhalten Abhängigkeit und mangelnde Autonomie beim Opfer. Retter werden weiterhin in co-abhängigen Beziehungen (wie zum Beispiel mit Süchtigen), die für sie beeinträchtigend sind, verwickelt sein, weil sie nicht erkennen, wie schädlich sie für sie sind.

Bin ich nett oder zu nett?

Retter haben das zwingende Bedürfnis sich nützlich zu fühlen, um ihre Ängste und ihr geringes Selbstwertgefühl zu vertuschen… kurz, um ihrem Leben einen Sinn zu geben. Sie hören nie auf zu geben; grundsätzlich, weil sie nicht wissen, wie sie nein sagen sollen. Wenn sie sich jedoch trauen, nein zu sagen, fühlen sie sich schuldig und betrachten sich als egoistisch oder geizig. Sie geben Bedürfnisse anderer Leute Priorität und ignorieren ihre eigenen, weil sie ihre eigenen unerfüllten Bedürfnisse auf andere projizieren. Vor allem haben sie Schwierigkeiten, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu identifizieren.

Kurz gesagt, sie opfern sich selbst, weil sie beweisen wollen, dass sie gute, großzügige und selbstlose Menschen sind, die Liebe und Anerkennung verdienen. Und wenn ihnen jemand sagt: „Du bist zu nett“, fühlen sie sich entsprechend beleidigt.

Aber das Retten schafft Groll und Wut in sich selbst und in den Opfern, weder Anerkennung noch Dankbarkeit oder Respekt. Daraufhin bestätigen Retter ihre Überzeugung, dass Opfer undankbar sind und sie ausnutzen.

Wenn Retter an Coaching-Sitzungen teilnehmen, garantiert die Arbeit mit dem Grenzensetzen und dem Drama-Dreieck günstige Ergebnisse. Sobald sie die schädliche Dynamik verstanden haben und wissen, was ihre Bedürfnisse sind, können sie ihre Bereitschaft zum Retten kontrollieren und folglich ihr Verhalten ändern.

  • DER VERFOLGER

Perseguidor

Verfolger wissen alles und haben immer Recht. Diejenigen, die falsch liegen, sind die anderen. Deshalb geben sie vor zu wissen, was für andere Menschen am besten ist. Sie sehen typischerweise alles entweder in Schwarz oder in Weiß; Grau existiert nicht. Ihr Motto lautet: Entweder du bist mit mir oder gegen mich.

Wie die Retter fühlen sich Verfolger moralisch überlegen und brauchen Opfer, um ihre Rolle als Verfolger zu spielen.

Sie ignorieren nicht nur die Gefühle anderer Menschen, sondern auch ihren Wert. Deshalb kritisieren, beschuldigen, verfolgen, erpressen und missbrauchen sie ihre Macht. Insbesondere benutzen sie Scham und Schuld, um zu manipulieren. Sie können sogar bestrafen (wenn auch nur mit ihrer schlechten Laune oder ihrem Schweigen), damit sich die Opfer ängstlich und minderwertig fühlen. Verfolger finden immer einen Übeltäter oder einen Feind: den anderen. Daher gibt es keine Möglichkeit, einen Konflikt mit ihnen zu lösen, da man in jedem Gespräch vorsichtig vorgehen muss und sie nicht in Frage stellen darf. Sie nutzen Bedrohungen, um das zu bekommen, was sie wollen, da sie sich dazu berechtigt fühlen. Und was sie wollen, ist nicht nur, dass andere ihre Lektion lernen und ihnen zustimmen, sondern auch dass sie sich ändern und die Dinge auf ihre Art und Weise erledigen.

Habe ich recht oder … habe ich vollkommen recht?

Verfolger empfinden viel Ärger und gerechte Empörung, die sie ungeniert auf „unschuldige“ Opfer auslassen. Sie betrachten sich jedoch nicht als missbräuchlich oder aggressiv, weil sie meinen, dass die Opfer ihr Los verdienen. Um sich sicher zu fühlen, wollen Verfolger die Kontrolle haben und kämpfen um die Macht in der Beziehung. Sie setzen ihren Standpunkt durch, um eine Gewinner-Verlierer Beziehung aufzubauen, die es ihnen ermöglicht, ihre Minderwertigkeitskomplexe, ihre Unsicherheit und ihre Verwundbarkeit, die sie nicht erkennen, zu vertuschen. Außerdem verwechseln sie Bedürfnisse haben mit Bedürftigkeit. Folglich werden sie keine Hilfe annehmen oder sich weigern, auch nur zu berücksichtigen, dass jemand etwas für sie tun kann.

Aber es wird immer jemanden geben, dem sie die Schuld geben können, jemanden, der ihre Erwartungen nicht erfüllt. Wenn etwas schief geht, beschuldigen die Verfolger lieber andere, um sich selbst nicht beschuldigen zu müssen. Mit dieser Einstellung ist es unwahrscheinlich, dass sie an Coaching-Sitzungen teilnehmen, da der Verantwortliche oder der Schuldige immer der andere ist. Sie projizieren auf andere (außerhalb von sich selbst), was sie nicht in sich selbst sehen wollen. Tatsächlich nennen sie andere Leute arrogant, weil sie ihre eigene Arroganz weder erkennen noch akzeptieren können.

Da sie in ihrer Kindheit oft misshandelt wurden, nehmen sie immer eine defensive Haltung ein. Sie reproduzieren das Verhalten des Täters, weil sie hoffen, dass sie sich durch Dominanz im Voraus vor Missbrauch oder Verachtung schützen können.

  • DAS OPFER

Víctima

Opfer fühlen sich machtlos, inkompetent, festgefahren und manchmal verzweifelt. Sie schränken ihre Fähigkeiten und Ressourcen ein. Sie erkennen auch nicht ihre eigene Fähigkeit, Dinge zu ändern oder ihr Schicksal zu beeinflussen. Außerdem leiden sie oft an Depression, gerade weil ihnen das Leben passiert. Und wenn durch ein Wunder etwas Gutes passiert, schreiben sie es dem Glück zu.

Ihrer Meinung nach kann man ihnen nichts vorwerfen, da sie keine Verantwortung tragen. Was passiert, ist nicht ihre Schuld. Sie sind überzeugt, dass das Leben sehr schwer ist, dass sie niemand versteht und dass sie, egal was sie tun, nicht in der Lage sein werden, ihr Los zu ändern. Sie finden immer Ausreden, die ihre Situation rechtfertigen.

Opfer nutzen jede Gelegenheit, um sich zu beschweren. Selbst ihr üblicher Tonfall ist klagend. Sie sind die ewigen Opfer des Lebens selbst und schaffen es, krank zu werden, Beschwerden zu haben und Unglück anzuziehen. Sobald sie gestresst sind, was sehr leicht passiert, ertrinken sie in einem Glas Wasser. Sie vermeiden einfach Verantwortlichkeiten und möchten keine Entscheidungen treffen, weil sie befürchten, falsch zu liegen.

Darüber hinaus kann man Opfer an ihrer üblichen Art erkennen, sich für alles und nichts zu entschuldigen. Man hört sie oft sagen “Entschuldigung!”, “Verzeihung!”, “Es tut mir leid!”.

“Ein Opfer ist jemand, der erwartet, dass etwas Schlimmes passiert … und normalerweise passiert es auch.” (Barry K. Weinhold)

Sie leben nicht nur in einer imaginären Welt, zusammengesetzt aus all den Dingen, die sie sich vorstellen oder annehmen (schlimme Konsequenzen, unangenehme Emotionen oder negative Reaktionen anderer,…), sondern sie machen auch Annahmen, ohne sich auf die Realität zu stützen, ohne gut fundierte Beweise zu haben, die ihre Überzeugungen rechtfertigen würden.

Natürlich verhalten sich Opfer passiv: Sie ergreifen keine Maßnahmen, strengen sich gar nicht an, die Sackgasse zu überwinden. Sie sind Experten im Manipulieren anderer Leute, um das zu bekommen, was sie brauchen, ohne sich zu sehr an dem Ergebnis zu beteiligen. Normalerweise sabotieren sie die Hilfe, die sie erhalten, und freuen sich heimlich über ihre Misserfolge. Unabhängig davon, wie oft sie an Coaching-Sitzungen teilnehmen, führt ihre Passivität und ihr mangelndes Engagement dazu, dass der Versuch fehlschlägt, so dass sie den Fachmann für den Mangel an Ergebnissen verantwortlich machen und sie ihn als inkompetent beweisen können.

Es gibt zwei Arten von Opfern: Entweder ziehen sie Retter oder Verfolger an. Einerseits schaffen Opfer Co-Abhängigkeit – eine übermäßige emotionale oder psychologische Abhängigkeit vom Retter. Diese Haltung fördert ein passives Verhalten, das verhindert, dass sie ihre Fähigkeiten voll entfalten können. Anderseits bestätigen Opfer ihre Überzeugung, dass das Leben hart und unfair ist, wenn sie von Verfolgern missbraucht werden.

Um ihre Rolle als Opfer zu spielen, brauchen sie daher entweder Retter oder Verfolger… oder beide.

Kehren wir nun zum Beispiel der Einführung zurück.
Könnten Sie jeder Frau ihre Rolle zuweisen?

Welche Rollen übernehmen Victoria und Sophie?

  • Sophie bietet Lösungen an, obwohl Victoria sie um nichts gebeten hat. Sie wird nicht eindeutig gefragt. Sophie beginnt dann das Spiel in der Rolle des Retters, wenn sie den Köder annimmt, den Victoria (das Opfer) ihr unbewusst geworfen hat, damit sie ihn fängt.
  • Victoria beginnt in der Rolle des Opfers, weil sie sich beschwert, ohne nach etwas Bestimmtem zu fragen. Sie ersucht unbewusst Sophie, ihr Problem zu lösen. Aber sie verwirft alle Möglichkeiten, die Sophie bietet, um dann die Rolle des Verfolgers zu übernehmen (“Was für eine verrückte Idee! Du bist mir nicht wirklich hilfreich …”).
  • Am Ende ist Sophie in der Rolle des Opfers.

Um zusammenzufassen…
Sophie beginnt in der Retter Rolle und endet als Opfer.
Victoria beginnt in der Opfer Rolle und endet als Verfolger.

Dieses Beispiel zeigt, wie Personen eine Rolle übernehmen, die sich im Verlauf des Gesprächs ändert. Das Endergebnis des Drama-Dreiecks ist garantiert negativ, sei es mit Streit, schlechter Stimmung, Wut, Schuldgefühlen oder Groll, einschließlich Leiden, Missbrauch oder Tragödien im schlimmsten Fall. In 100% der Fälle enden die Spiele schlecht und niemand gewinnt.

Also, warum spielen wir im Drama-Dreieck?

Lesen Sie den nächsten Blog-Beitrag Das Drama-Dreieck – Teil 2, um es herauszufinden, …

IM 2. TEIL
    • Warum spielen wir?
    • Wie fängt es an?
    • Verschiedene Situationen